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Der deutsche Breitbandmarkt boomt

Artikel vom 24.01.2007

Der Boom des deutschen Breitbandmarkts reißt nicht ab. Auch im laufenden Jahr rechnen die Anbieter hierzulande durch die Bank mit einem kräftigen Nachfrageschub. Erwartet werden bis zu vier Millionen neue DSL-Kunden. "Ich denke, dass wir zum Jahresende auf 17,5 Millionen Kunden kommen werden", sagt Arcor-Chef Harald Stöber. 

 

Die DSL-Anbieter verzeichneten bereits im vergangenen Jahr einen Nachfrageschub bei Breitbandanschlüssen. So wuchs die Kundenbasis nach Angaben der Bundesnetzagentur in den ersten neun Monaten um 2,5 Millionen auf 13 Millionen. Unangefochtener Marktführer bleibt die Telekom, die mit dem Ausbau des DSL-Bereichs den Rückgang im traditionellen Telefongeschäft ausgleichen will. Spekulationen über ein Ende des Breitbandbooms weisen die Unternehmen zurück.

 

"Ich sehe kein Abflauen der Nachfrage. Immerhin stehen knapp 40 Millionen Telefonanschlüsse zur Verteilung an", sagt freenet.de-Chef Eckhard Spoerr. Er zielt damit auf die Schmalbandanschlüsse der Telekom.

Telekom-Chef René Obermann ist sich der Konkurrenz bewusst. "Es ist nicht realistisch anzunehmen, dass die Anschlussverluste im Festnetz kurzfristig zu stoppen sind", räumt er ein. Mit einer Serviceoffensive und dem neuen schnellen VDSL-Netz will Obermann den Druck auf die Konkurrenz erhöhen. Künftig will der Branchenprimus wieder mehr Kunden direkt unter Vertrag nehmen – und nicht mehr über Zwischenhändler wie United Internet.

Eine Grund für den Boom sind die drastisch gefallenen Tarife für Breitbandanschlüsse. Alleine im vergangenen Jahr sanken die Preise nach Angaben des Statistischen Bundesamts um 5,1 Prozent. Doch damit soll nun Schluss sein: "Die Preise haben ihren Boden gefunden", sagt Spoerr. Im Vordergrund stünden nun neue Dienste wie Fernsehen über das Internet.

 

Bis zum Jahresende will die Telekom über eine Million Kunden für ihr so genanntes "T-Home"-Angebot, das vor allem über die neuen VDSL-Anschlüsse der Telekom ausgeliefert werden soll, unter Vertrag nehmen. Die Wettbewerber haben Zweifel am Erfolg: "VDSL wird eher 2008 als 2007 größeren Wettbewerbsdruck entwickeln", sagt Arcor-Chef Stöber.

 

Branchenkonvergenz


Durch die Digitalisierung verändert sich der Wettbewerb. Eine der wesentlichen Herausforderungen dieser Konvergenz besteht für die Unternehmen in einem intensiven Wettbewerb mit neuen, zumeist branchenfremden Konkurrenten. Dabei konkurrieren Telekommunikationsanbieter, Internet-Unternehmen, Medienhäusern und Kabelnetzbetreibern miteinander. In diesem neuen Wettbewerb gestehen die Experten den Internet-Unternehmen derzeit die beste Ausgangsposition zu, den Kabelnetzbetreibern die schwächste. Einvernehmen herrscht bei der Prognose, dass im konvergenten und weiter wachsenden Breitband-Markt der Zukunft die Telekommunikationsanbieter die größten Marktanteile haben werden.
 
Triple Play
Nach der Markteinführung erster Triple Play-Angebote in Deutschland – also Angeboten, die den Internet-Zugang mit IP-Telefonie und Internet-Fernsehen bündeln –  sind die Experten optimistisch: Für 2010 erwarten sie 2,6 Millionen Nutzer von Triple Play-Angeboten, für 2015 7,5 Millionen Nutzer. Als wichtigste Bestandteile eines Highspeed-Triple Play-Angebotes nennen die Experten die IP-Telefonie (85 Prozent), einen Video-on-Demand-Dienst (78 Prozent), hochauflösendes Fernsehen (HDTV – 74 Prozent) und ein integriertes Gateway für den Internet-Zugang, Internet-TV und IP-Telefonie (74 Prozent).

 

Internet-TV
Die für „Deutschland Online 4“ befragten Experten sind sicher, dass sich Internetfernsehen in Deutschland in den kommenden Jahren etablieren wird. Für 2010 erwarten sie 2,6 Millionen Nutzer, für 2015 7,2 Millionen. Bis 2015 wird sich die Nutzungsintensität des Internet-Fernsehens an die des klassischen TVs angleichen. Die befragten Konsumenten erwarten mehrheitlich ein Zusammenwachsen beider Angebotsformen. Die Nutzer haben zudem klare Vorlieben, was die Angebote betrifft, die sie vom Internetfernsehen erwarten: 48 Prozent haben Interesse an Video-on-Demand, 45 Prozent möchten die bestehenden Angebote der TV-Sender über das Internet sehen. 44 Prozent fordern ein TV-Angebot, das sie individuell zusammenstellen können. Um möglichst schnell eine große Zahl von Kunden zu gewinnen, raten die Experten den Anbietern, zunächst bestehende TV-Vollprogramme über das breitbandige Internet anzubieten. Interessant ist die vergleichsweise hohe Zahlungsbereitschaft der Mediennutzer: Während sich 58 Prozent der Befragten ein werbe-finanziertes und somit kostenloses Internetfernsehen wünschen,  sind 25 Prozent bereit, eine geringe Grundgebühr zu zahlen und darüber hinaus individuell für besondere Angebote wie etwa Sportübertragungen zu zahlen. Damit ist hier das „Ende der Kostenloskultur“ erreicht.
 
Social Web
Dass die neuen Anwendungen des „Social Web“ das Internet verändern, ist ein eindeutiges Ergebnis der Studie. 84 Prozent der Experten sind überzeugt, dass sich das Internet zu einem Medium wandeln wird, das in hohem Maße durch die Interaktion der Nutzer untereinander geprägt ist. Erwartet wird, dass die Zahl vergleichbarer Angebote in Deutschland schnell anwächst. Eines der Ergebnisse von „Deutschland Online 4“ ist hier eine klare Rangliste der Anwendungen bezogen auf ihre künftige Nutzung. An der Spitze stehen Plattformen für den Handel zwischen Endkunden (C2C-Commerce – 86 Prozent), Online-Communities (81 Prozent) und File-Exchange & Sharing-Dienste (71 Prozent). Blogs, Wikis und Bewertungs-portale folgen mit geringeren Zustimmungsraten. Diese Plattformen werden sich vor allem durch eine Spezialform der Onlinewerbung finanzieren, den „Pay for Performance-Ads“. Weitere Finanzierungsmodelle basieren auf Provisionsmodellen und den klassischen Online-Werbeformaten. Nur jeder Zehnte der befragten Experten erwartet hingegen, dass sich Angebote im „Social Web“ aus Nutzergebühren finanzieren lassen.

 

Quellen: (Martin Murphy, dpa-AFX) / (jk/c't) / t-online